Sonoma Valley und Cool Climate Carneros
An einem erneut sehr sonnigen und warmen Morgen sind wir am fünften Tag der Exkursion in das Weingut der Familie Schug im Sonoma Valley gefahren. Das Weingut, das von den deutschen Auswanderern Walter und Gertrud Schug im Jahre 1980 gegründet wurde, liegt im Anbaugebiet Carneros, im südlichen Teil des Sonoma Valley. Dieses zeichnet sich durch sein eher kühles und windiges Klima aus. Sehr imponiert hat uns der Gewölbekeller, in dem vor allem Chardonnay und Pinot Noir in Barriquefässern lagern.
Nach einem BBQ in Sonoma blieben wir im Carneros und besuchten Cline Cellars. Hier wurden wir sehr herzlich vom Kellermeister Charlie Tsegeletos empfangen, der uns nicht nur Flaschenweine servierte, sondern auch Tankproben verkosten ließ. Sehr offen sprach Charlie Tsegeletos dabei auch über die andernorts unausgesprochenen Geheimnisse des kalifornischen Weinbaus. Das Weingut war für uns ungewöhnlich, parkähnlich angelegt und bietet den Besuchern mit mehreren Teichen und einem Museum zahlreiche Attraktionen.
Die letzte Station des Tages war der Besuch beim Weingut Ravenswood, dies gehört wie viele Weingüter Kaliforniens zu Constellation Brands. Hier hatten wir die Möglichkeit an einer Weinprobe teilzunehmen, die aus fünf verschiedenen Zinfandel-Weinen bestand und die Vielfältigkeit der Rebsorte unterstrich. Bei fast heißem Wetter haben wir auch den Hausweinberg des Guts besichtigt, in dem sich ungewöhnlich früh die Knospen der Reben bereits im Wollestadium befinden.
Von Christof Weibler, WB 7
Napa Valley von A bis Zinfandel
Der dritte Tag der Exkursion stand ganz im Zeichen des Napa Valley. Zunächst wurden wir im Anwesen der Robert Mondavi Winery empfangen. Im Herzstück des To Kalon Vineyard konnten wir erahnen, was ein Sommer in Napa mit sich bringt. Eine Temperatur von 78° Fahrenheit an einem Februartag ist auch für Kalifornien ungewöhnlich. Das Weingut Mondavi gehört mittlerweile zum Weltkonzern Constellation Brands und produziert in einem imposanten Barriquekeller erstklassige Rotweine.
Anschließend wurden wir in den Versuchsweinbergen der UC Davis ebenfalls in Oakville empfangen. Neben dem Leiter der Forschungsstation – Mike Anderson – klärten uns auch Bob Biale, der Präsident des ZAP (Zinfandel Advocates & Producers) und Scott Harvey über die Bedeutung des Zinfandels und der Forschungsstation auf. So werden hier im Versuchsanbau verschiedene Klone, Erziehungsformen und weitere weinbauliche Aspekte untersucht. Die Trauben eines Weinbergs mit 22 unterschiedlichen Zinfandel-Klonen werden alljährlich von einem Winemaker der ZAP-Vereinigung vinifiziert.
Spontan lud uns Scott Harvey zu einer Verkostung in seinem Haus, das inmitten von 70 Acres Weinbergen gelegen ist, ein. Scott Harvey, der ausgezeichnet deutsch und pfälzisch spricht, war in den 1970er Jahren für ein Ausbildungsjahr an der Weinbauschule in Neustadt an der Weinstraße und arbeitete im Weingut Fitz-Ritter. Aus diesem Grund konnten wir einen erstklassigen Riesling degustieren. Daneben vinifiziert Scott Harvey in verschiedenen Weinprojekten auch Rotweine, wie einen Zinfandel aua über 150 Jahre alten Reben, und sogar einen (künstlich erzeugten) „Eiswein“.
Big Business in Modesto
Der dritte Tag unserer Exkursion nach Kalifornien führte uns eine absolut gegensätzliche Welt des Weines vor Augen als dies der Vortag tat und war dennoch nicht minder spannend.
Zunächst stand die Küferei Seguin Moreau auf dem Programm. Hier konnten wir sehen, hören, fühlen und riechen, was es heißt, ein Barrique-Fass herzustellen. Die Küferei produziert neben anderen Standorten weltweit auch in Napa ihre Fässer. Die Komposition von Holzarten, Toastungsgrad etc. ist dabei eine Wissenschaft für sich. Die Herstellung des Fasses aus vorgelagertem Holz dauert bis zu vier Stunden und ist trotz maschineller Unterstützung ein wahrer Kraftakt, den wir hautnah miterleben durften.
Im Anschluss wurden wir in Modesto bei der E&J Gallo Winery empfangen. Hier erwarteten uns unvorstellbare Dimensionen der Weinproduktion. Gallo ist ein wahres Schwergewicht der Branche und führt insgesamt 90 verschiedene Marken. Die Nummer 1 Kaliforniens ist mit diesen für 60% der Weinexporte aus Kalifornien verantwortlich. Alleine am Standort in Modesto beschäftigt Gallo 3.500 Mitarbeiter. Ein Teil davon ist täglich auch für die Füllung von 330.000 Cases (à 12 Flaschen) oder der Produktion von 2,5 Mio. Glasflaschen in der hauseigenen Glashütte verantwortlich. Neben dem Hauptstandort in Modesto konnten wir den Verarbeitungsbetrieb in Livingston besuchen. In der größten Kellerei der Welt werden jährlich 500.000 Tonnen Trauben verarbeitet – Dimensionen deren Anblick sich kaum in Worte fassen lässt. Der Blick von einem der höchsten Tanks der gesamten Anlage zeigt unzählige Tanks, Rohrleitungen und Apparaturen. Die Kapazität der Anlage könnte über die Hälfte der deutschen Jahresproduktion an Wein aufnehmen. Zu Füßen dieses „Aussichtspunktes“ wird aktuell eine Erweiterung der Anlage auf dem modernsten Stand der Technik vorangetrieben, die der steigenden Nachfrage nach Gallo-Produkten Rechnung tragen soll.
Europäische North Coast
Der zweite Tag der Exkursion nach Kalifornien brachte uns wieder zurück nach Europa. Was zunächst skurril erscheint, erschließt sich spielend beim Blick auf die Historie der besuchten Weingüter.
So wurde Seghesio Family Vineyard im 19. Jahrhundert von einem Italiener in Healdsburg gegründet. Bis in die 1970er Jahre entwickelte sich das Weingut zu einem BigPlayer des Sonoma County, der hauptsächlich mit Fasswein handelte. Heute vermarktet das Weingut ausschließlich gefüllten Wein und exportiert diesen zu einem Viertel weltweit.
Mit dem Besuch bei The Hess Collection bekamen wir ein differenziertes Bild vom Weinbau in Napa Valley. Mit Weinbergen auf 600m über NN hebt sich das Weingut deutlich von den anderen des Tales ab. Der Gründer Donald M. Hess – ein Schweizer – fand in den Hängen des Mount Veeder seine Vorstellung von Qualitätsweinbau wieder. Dies brachte ihn zum Weinbau und begründete ein multinationales Unternehmen mit Besitztümern in Südafrika, Argentinien und Australien. Die Filetstücke der Produktion finden sich in den Anhöhen des Napa Valley und die besten Weine werden auch heute noch in den alten Gemäuern aus bis zu 80 Jahre alten Weinstöcken vinifiziert.
Ohne Vorbehalte kann Opus One als Vorzeigeobjekt der Weinwelt auch außerhalb des Napa Valley bezeichnet werden. Als Joint Venture von Robert Mondavi und Baron Philippe de Rothschild gegründet, verkörpert das Weingut die institutionalisierte Verschmelzung zwischen Alter und Neuer Welt. Die herausstechende Architektur und modernste technologische Ausstattung unterstützten die Wirkung des besonderen Ortes während unseres Besuchs. Gekrönt wurde dieser Exkursionsbesuch durch die Verkostung des Opus One 2008 auf der Terrasse des Weinguts.
And the Oscar goes to…
Den Auftakt auf unserer Exkursion stellte der Besuch bei Hartford Family Vineyards dar. Das familiengeführte und exklusive Weingut aus dem Sonoma Valley überzeugte durch unfiltrierte und barrique gereifte Weine. Besonders für das Weingut ist, dass alle Weine im Barrique ausgebaut wurden.
Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zu einem der Weingüter von dem berühmten Regisseur Francis Ford Coppola. Hier wurden wir von der imposanten Architektur der Gebäude überrascht. Ungewöhnlich für Weingüter stand für Gäste ein großer Swimmingpool zur Verfügung, leider konnten wir wegen den kühlen Witterungsbedingungen diesen nicht ausprobieren.
Neben 43 verschiedenen Weinen konnten zusätzlich unzählige Gegenstände aus verschiedenen Filmen des Herrn Coppola probiert bzw. besichtigt werden. Darüber hinaus bekamen wir eine sehr moderne Abfülllinie sehen, hier werden nicht nur die Weine für die Weingüter von Herr Coppola abgefüllt sondern auch für zahlreiche andere Weingüter aus dem Sonoma Valley.
Mit leichter Verspätung kamen wir zu Beringer Vineyards unserer letzten Station des Tages im Napa Valley. Dieses Weingut, das schon im 19. Jahrhundert von zwei deutschen Brüdern gegründet wurde, ist eines der ältesten Weingütern im Napa Valley. Nach der Führung hatten wir ein Tasting in dem „Rhinehouse“, dem Wahrzeichen des Weinguts.
Von Christof Weibler, WB 7
Anreise nach Kalifornien geschafft
Gestern Morgen trafen sich 24 Studierenden der Weinbetriebswirtschaft gemeinsam mit Kristina Kramer und Bastian Klohr in Frankfurt zum Abflug nach Kalifornien. Nach eher langwierigen Sicherheitschecks konnte der Flug dennoch pünktlich Richtung Kalifornien starten. Mit einiger Verspätung landeten wir am Internationalen Airport von San Francisco, um von dort aus weiter gen Norden ins Wine Country zu fahren. Nach Fahrt über die Golden Gate Bridge entschädigte der Blick auf die in schönsten Sonnenschein getauchte Bay mit Alcatraz, Skyline und der Brücke selbst für alle Reisestrapazen.
Dennoch machte sich ein gewisser Jetlag breit. Heute starten wir mit neu gewonnen Kräften erwartungsvoll zum Exkursionsbesuch bei den ersten drei Weingütern.















